THE PLACE BEYOND THE PINES – Kritik & Analyse

Den Regisseur Derek Cianfrance sollte man sich merken, denn ihm gelingt mit „The Place Beyond The Pines” — nach dem packend-poetischen Beziehungsdrama „Blue Valentine” — erneut ein aufregender wie ästhetisch ansprechender Film. Erwachsenes Schauspielerkino ist selten geworden. Verdutzt stellt man fest, welche einstmals großen Schauspieler (z.B. Robert DeNiro, Ben Kingsley, Diane Keaton, die Liste ist unendlich lang) sich nun für keine dümmliche Produktion zu schade sind; umso schöner ist es, daß die jüngere Garde wieder ein ernsthaftes Berufsethos in sich zu entdecken scheint. Ryan Gosling schart mittlerweile ein paar große Regisseure der Gegenwart um sich und besticht auch in diesem Drama mit seiner einmaligen Präsenz. Aus keinem anderen Schauspieler spricht derart viel, wenn er schweigt. Im Filmschaffen der schönen Eva Mendes ist eine bemerkenswerte Kehrtwende zu erleben: Nachdem sie ihre schöne Oberfläche in oberflächlichen Filmen zur Schau stellte, setzt sie sie nun künstlerisch ein. Schon in „Holy Motors” und „Bad Lieutenant” wußte sie zu überzeugen. In „The Place Beyond The Pines” schenkt Mendes uns das wohl traurigste Gesicht dieses Kinojahres. Und Bradley Cooper überrascht mit seinem subtilen Spiel, der differenzierten Ausgestaltung seiner Figur so sehr, daß man gleich bereit ist, seine bisherige Filmographie einfach zu vergessen. Die drei Stars eignen sich perfekt für diese große Tragödie, die uns Derek Cianfrance erzählt. Er wählt bewußt die klassische Form, weil in ihr selbst schon die Bedeutung liegt. Was heißt es, wenn man schuldig wird? Wem schuldet man etwas? Gibt es eine Erlösung von der Schuld? — fragt dieser Film mit biblischer Bildsprache. Der Ethnologe und Occupy-Aktivist David Graeber hat in seinem Buch „Schulden. Die ersten 5000 Jahre” auf den Zusammenhang zwischen Schuld und Schulden hingewiesen. Cianfrance macht aus dieser These großes nachdenkliches Kino. Mehr dazu im Video!

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