WHITE HOUSE DOWN – Kritk & Analyse

Ein bißchen bescheiden ist Roland Emmerich geworden. In seinem neuen Film WHITE HOUSE DOWN wird „nur” das Haus des Präsidenten in Schutt und Asche gelegt — doch auch dies lässt sich wie ein Weltuntergang inszenieren. Channing Tatum spielt einen erfolglosen Vater, dessen Tochter im amerikanischen Präsidenten ihren Vaterersatz gefunden hat. Sie verehrt ihn glühend; der Patriotismus der 11jährigen ist gehärtet und unerbittlich wie bei einem alten Kriegsveteran. Um dieser Göre zu imponieren, will der Vater eine Stelle im Sicherheitsdienst des Weißen Hauses bekommen. Er wird wegen mangelnder Qualifikation abgelehnt, doch dann schlägt seine historische Stunde. Bei einer Touristenführung durch den Amtssitz des Präsidenten, an der Vater und Tochter stolz teilnehmen, explodiert plötzlich eine Bombe. Die Welt, ja, der Präsident und sogar das Töchterchen ist in Gefahr: Channing Tatum borgt sich also das Unterhemd von Bruce Willis aus STIRB LANGSAM und rettet uns alle vor Terror und Atombombe. Jamie Foxx spielt den wohl liberalsten amerikanischen Präsidenten der Kinogeschichte, eine Art Obama, der alle Wahlversprechen gehalten hat. Doch verblüffend ist, wie Roland Emmerich diesen Liberalismus inszeniert. Man würde denken, in den Bildern müßte einem nun Aufklärung, Intellektualität und Freiheit vermittelt werden, doch genau das Gegenteil ist der Fall: Emmerich betreibt einen regelrechten Führerkult um den Präsidenten, huldigt die Rituale des Anti-Ritualismus und zeichnet ein derart verklärtes Bild von Amerika, daß selbst die Anhänger der Tea-Party-Bewegung ihren Augen kaum trauen könnten. Doch das Feindbild ist ein anderes geworden. Nicht mehr Al Kaida, die Chinesen oder die Russen bedrohen die Freiheit, sondern die Konservativen, die Lobbyisten der Rüstungsindustrie, die Republikaner vom alten Schlage. Doch Emmerich treibt hier den Teufel mit dem Beelzebub aus: eine Autorität wird durch eine andere ersetzt, die nur etwas geschickter ihre Macht zu verschleiern weiß. Mehr dazu im Video!

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