THE WOLF OF WALL STREET – Filmanalyse

Mit THE WOLF OF WALLSTREET hat Martin Scorsese zu alter Kraft zurückgefunden und dabei ist etwas Neues entstanden. Scorsese bricht mit vielen Kontinuitäten seines bisherigen Gesamtwerks und findet eine radikale Erzählweise, die die Struktur der Börsenspekulation übernimmt. Dabei verzichtet Scorsese auf das übliche Feindbild des bösen Börsenmaklers, der die guten einfachen Amerikaner abzocken will. Alle sind an der Gier beteiligt, niemand ist ohne Sünde. Hier zeigt sich noch einmal die katholische Prägung des Regisseurs. Auch gibt sich Scorsese, wie es zuvor in vielen Film noch tat, nicht der Nostalgie hin. Er schwärmt nicht von den guten alten Zeiten. Die Geschichte vom Tellerwäscher, der zum Millionär wird, war auch immer eine der Gier und der Skrupellosigkeit. In wahnwitzigen Szenen zeigt uns THE WOLF OF WALLSTREET den blanken Exzeß des Systems und seiner Profiteure. Das, was an der Börse geschieht, ist viel zu abstrakt, um es richtig erklären zu können. Doch Scorsese konkretisiert das Abstrakte, indem er den auf- und absteigenden Börsenkurs anhand des Drogenrausches darstellt. Jordan Belfort, von Leonardo DiCaprio virtuos verkörpert, ist das personifizierte kapitalistische System, dem es allein um Maximierung geht. Maximierung von Geld, Rausch und Genuß. Das Geld ist selbst wie eine Droge, die süchtig macht, die eine Nachfrage schafft, wo zuvor gar keine war. Weil Belfort ganz mit sich im Reinen ist, weil es zwischen ihm und dem System keinen Unterschied mehr gibt, kann ihm nur ein einziges Schicksal blühen: Er könnte einfach zerbersten. Ausgerechnet das FBI erweist sich als Mediator des Systems, weist es in seine Schranken zurück und hält es dadurch nachhaltig lebendig. Mehr dazu im Video!

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