STAR WARS – DAS ERWACHEN DER MACHT Die Filmanalyse

Die Star-Wars-Saga ist nun endlich in der Gegenwart angekommen. Jeder Film der Reihe war ein Kind seiner Zeit: Die Episoden IV bis VI waren stark von der Ästhetik, aber auch von der Politik der 80er Jahre geprägt, die Prequel-Trilogie hingegen war trauriger Ausdruck der fröhlichen Neunziger, in der die Postmoderne auch eine Posthistorie bedeuten sollte. Bei der starken Hybridität der Figuren, die weder durch eine halbwegs stringent erzählte Handlung noch durch Formwillen zusammengehalten wurden, hatten wir es mit einem unerträglichen Anything-Goes-Allerlei zu tun, das letztlich in totalen (und schrecklich langweiligen) Nonsens führt. Die Figur Jar Jar Binks ist die Gallionsfigur dieser Ideologie der blöden Beliebigkeit. Daß dies ausgerechnet die Lieblingsfigur von George Lucas ist, läßt tief blicken und spricht auch noch einmal dafür, daß er niemals hätte das leisten können, was nun J. J. Abrams auf bemerkenswerte Weise gelungen ist: „Das Erwachen der Macht“ ist ein guter und gegenwärtiger Unterhaltungsfilm, der die Tradition in modernisierter Form fortführt, ohne mutwillig aus ihr auszubrechen. Wir können mit dem siebenten Teil der Star-Wars-Saga wirklich zufrieden sein und müssen im Nachhinein etwas eingestehen, auch wenn es noch so schwer fällt. Die ersten Filme waren ausgesprochen gutgemachte Blockbuster, doch sie waren keine künstlerische Offenbarung. Sie wollten auch nie Kunst sein – George Lucas interessiert sich genauso sehr für die Vermarktung, ihm ging es keineswegs darum, ein genuines Kunstwerk zu schaffen. Deshalb dürfen wir jetzt von J. J. Abrams Wiederbelebung des Franchises keine Offenbarung erwarten, denn die hat es nie gegeben. Wer glaubte, die Erde würde sich vielleicht nach diesem Film anders drehen, hat ein persönliches Problem, es ist nicht das Problem des Films. Festzuhalten ist, daß man selten in den letzten Jahren bei einem Blockbuster so gut und humorvoll unterhalten wurde. Und bei all dem ist es natürlich spannend, wie J. J. Abrams uns die alten Filme vergegenwärtigt, ohne einfach nur nostalgische Gefühle zu affizieren. Nicht zuletzt weil es diesmal eine Frau ist, mit der die Macht ist, und weil es wahrscheinlich zum ersten Mal eine schwule Figur im Star-Wars-Universum gibt, ist der Film sehr gegenwärtig. Mehr dazu im Video

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