The Descendants

Alexander Payne (About Schmidt, Sideways) inszeniert mit “The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten” ein klassisches Rührstück, in dem der Hollywood-Star George Clooney als Familienvater und verantwortungsbewußter Erbe auftritt. Gerade seine “authentische” Darstellung eines Normalos – uneitel in geschmacklosen Hawaii-Hemden – brachte ihm eine -Oscar-Nominierung als bester Schauspieler ein. Und auch der Regisseur und der Film sind von dem Academy-Mitgliedern nominiert. Doch warum nur? Der Grund dafür ist zum Glück nicht ganz so banal wie dieser Film. Mehr dazu im Video.

Comments
One Response to “The Descendants”
  1. Helga Spoo-v. d. Weiden sagt:

    Bei “The Descendants” kam mir die Diskussion aus der Studienzeit wieder ins Gedächtnis: ob Kunstwerke überhaupt “Lebenshilfe” sein sollen oder wollen. Da stand zunächst ein einhelliges “Nein”, ein “Aber” schließt sich dennoch an: Im Sinne von Bruno Bettelheim z.B. mag feststehen, dass Sinnsuche und ein Bedarf an Lebenshilfe nicht nur bei Kindern (!) berechtigt, vielmehr ja allgemein wünschenswert und unerlässlich sei. Damit ist das Märchen rehabilitiert trotz Grausamkeit und tröstlichem oder gar „kitschigem“ Schluss: „Und wenn sie nicht gestorben sind…“oder „Ende gut, alles gut.“ Das Märchen aus Hollywood ” The Descendants” mit Clooney, der tatsächlich echt schauspielerische Fähigkeiten kaum vorweist, dafür aber so ein “Environment-Protection-Engagement”, schadet wenigstens dem Kino-Läufer nicht; richtet es ihn auf?
    Freilich, dieses Märchen ist leider ganz zuletzt wahrhaft schlimm kitschig: über süßester Eintracht, toll amerikanisch, herrscht die stets erstrebenswerte Harmonie. Denn, ordentlich frauenfeindlich, die hinderliche Mutter, wie so oft im Märchen „war schon lange gestorben“- so auch bei „Hugo Cabret“- sie ist zum Glück mal jetzt weg, der Streit ist ausgeräumt, die kleinen Weibchen-Töchter werden zahm mit Leckerli im Kuschelsofa. Die höhere Gerechtigkeit obsiegt: gerettet wird Mutter Erde in ihrer Unschuld und schönen Unberührtheit.
    Das Positive im Privaten? Immerhin: die Diskretion gegenüber den Großeltern, die ihrerseits die Tochter im rosig falschen Licht sehen wollen und auch dürfen?! Hier tut sich ein Spalt der Erkenntnis auf: der Kinobesucher sieht nicht nur, wie man schonend miteinander umgehen kann, sondern gleichzeitig, wie sich eine überhöhende Täuschung in der Perspektive der alten Eltern breitmacht: fast hätte die verwirrte, sehr feine Großmutter statt der ‘guten’ Tochter sogar die ‘Königin’ Elisabeth gerne besucht. Hier die gute Tochter, da die böse, sterbende Mutter: sie hatte nur befolgt, was allenthalben gepredigt wird: Selbstverwirklichung, “pursuit of happiness”, auch für Muttern!

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