Das gibt Ärger

Die Komödie „Das gibt Ärger“ (This Means War) des Regisseurs McG ist kein Glanzstück und trotzdem sehr erhellend. Hollywood liebt in letzter Zeit die Frauen, „die wissen, was sie wollen“; und so darf dieses Mal Reese Witherspoon die Illustrierten-Feministin spielen. Nach einer langen Durststrecke lernt sie gleich zwei attraktive Männer kennen: Chris Pine und Tom Hardy. Sie weiß nicht, daß beide die allerbesten Freunde sind; die Herren wissen hingegen von diesem brisanten Zufall und entschließen sich zu einem Gentlemen`s Agreement. Danach dürfen beide um die Eine kämpfen; bis sie sich entschieden hat, ist sexuelle Enthaltsamkeit Pflicht; möge der Bessere gewinnen. Chris Pine gibt den smarten Womanizer, der im Laufe des Films mehr emotionales Kapital akkumulieren muß und Tom Hardy erscheint etwas einfühlsamer – seine Ehe, aus der ein Sohn hervorging scheiterte – dafür aber körperlicher. Damit aus „Das Gibt Ärger“ ein Actionfilm wird, sind die zwei Freunde Kollegen beim CIA: den Gegner abhören, observieren und ausschalten, gehört zu ihrem täglich Brot – und läßt sich auch für private Zwecke nutzen. Reese Witherspoon unterzieht Pine und Hardy nun Einstellungstests für eine Festanstellung in einer Beziehung mit ihr. Sie überprüft wichtige Faktoren wie Romantik, Stärke, Beschützerinstinkt, sexuelle Potenz etc. Dabei wird sie von ihrer lüsternen Freundin (Chelsea Handler) ‘beraten’. Schließlich hätten die Frauenrechtlerinnen nicht Jahrzehnte gekämpft, damit sie nun „die prüde Zicke“ spiele.


Der Regisseur führt uns 90 Minuten lang die Vorzüge der beiden Männer vor, doch nicht einmal wird versucht, die Vorzüge einer Reese Witherspoon herauszustellen. Man fragt sich nicht nur, was Pine und Hardy wirklich von ihr wollen, man fragt sich, ob sie überhaupt an ihr interessiert sind? Die Freundschaft hat nämlich mehr als nur homoerotische Anklänge, wenn der Eine dem Anderen sagt: „Ich liebe Dich, Du bist mein Freund“ oder „Du hast mir auch so gefehlt. Ich liebe Dich, Mann“. Weiter unterhalten sie sich über den guten Duft des Anderen, die Größe seines Geschlechtteils („Er ist nicht klein, Du hast ihn gesehen“) – Oscar Wilde hätte dieser Narzißmus gut gefallen. Auch Witherspoon beklagt an einer Stelle des Films, daß sich die zwei nur für sich selbst interessieren würden, was daran liegen mag, daß ihr Interesse an Frauen generell gering ist. Chris Pine und Tom Hardy stellen jedenfalls ein perfektes Paar dar, bei dem der Eine den Anderen ergänzt. Dennoch tasten sie sich näher und näher an Witherspoon heran, was jedoch nur die Eifersucht untereinander erhöht. Für beide ist es ein erotisches Spiel, das sie untereinander austragen – die Frau spiel eine Nebenrolle. Denn letztlich ist die Frau die Feindin, die das homosexuelle Gefüge zerstören könnte. Andererseits brauchen sie die Frau als Alibi. Nur durch sie können sie sich öffentlich ihren Spielen hingeben. Im Original heißt der Film „This Means War“, was unweigerlich an „Don`t ask, don`t tell“ denken läßt.

So erscheint auch der Kompromiß am Ende des Films so faul wie einleuchtend. Chris Pine bekommt Reese Witherspoon und Tom Hardy geht freiwillig zu seiner Exfrau zurück. Es erinnert an die Scheinehen aus „Brokeback Mountain“. Am Wichtigsten ist ihnen die „Freundschaft“ – hier wird der Film ein einziges Mal romantisch. Die letzte Szene gehört dann noch einmal dem wahren Liebespaar: Chris Pine und Tom Hardy springen gemeinsam mit Fallschirmen aus einem Flugzeug. Was dann geschieht, können ihre Frauen nicht sehen. Und wir Zuschauer auch nicht.

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