Die Tribute von Panem – The Hunger Games

“Die Tribute von Panem” von Gary Ross nach dem ersten Teil der Romantrilogie von Suzanne Collins mit Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen und Josh Hutcherson als Peeta Mellark ist das neue Film-Franchise-Unternehmen Hollywoods. Die Lobeshymnen in den deutschen wie internationalen Medien waren groß; besonders die angebliche Medienkritik des Films an den Castingshows der Fernsehsender wurde allseits gelobt und gerühmt. Nur wenige Kritiker wie Sabine Horst von Epd-Film oder Hans-Ulrich Pönack vom DeutschlandRadio kritisierten den Film für seine abscheulichen Gewaltdarstellungen – sie haben vollkommen Recht. “The Hunger Games” führt hier nur die Erfolgsmaschinerie des Privatfernsehens bis zu einem konsequenten Ende: Das Spiel um Leben und Tod. Die Parallelen zu den Castingshows sind überdeutlich: Kandidaten treten gegeneinander an, ein denkfaules Publikum stimmt über Erfolg und Mißerfolg ab; es kann nur einen Gewinner geben, der aber doch wieder in seinen Distrikt zurück muß. Haben wir hier endlich eine notwendige Medienkritik an diesen Eliminationsspielen, wie Peter Sloterdijk sie nannte? Sollte wir darüber hinwegsehen, daß gerade die betroffenen Fernsehsender – RTL, SAT 1 und Pro 7, flankiert von der Bildzeitung – diesen Film fulminant vermarkten? Ist das Rühren der Werbetrommel für diese Medien ein reinigendes Ritual oder setzt hier die Hollywood-Fiktion nicht dort ein, wo das Reality-TV nicht mehr weiter kann – wegen Menschenwürde, Grundgesetz etc. Aus fernen Ländern liest man immer wieder in den bunten Meldungen der Zeitungen, daß es dort gerade Castingshows gäbe, in denen Kandidaten für ein lebensnotwendiges Organ kämpfen?


Die westliche Empörung darüber ist garantiert. Doch was sich in der Realität verbietet, erlaubt die Fiktion nur zu gerne und wir Zuschauer schauen lustvoll zu und bekommen zusätzlich noch etwas medienkritische Moral untergejubelt, damit wir zu unserem eigenen obszönen Begehren in Distanz treten können. Es erinnert an die freiwillige Finanz-Abgabe, die man als Flugzeuggast für den Co2-Ausstoß bezahlen kann, um einen sinnlosen Flug mit gutem Gewissen anzutreten: Ich fliege für ein paar Luxus-Schuhe nach Florenz und zahle dafür einen kleinen Aufpreis für die Umwelt. Oder: Ich sitze im Kino und ergötze mich an sich abschlachtenden Jugendlichen und bekomme gleichzeitig noch den erhobenen Zeigefinger für meine niveaulose Unterhaltung mitgeliefert. Mehr dazu im Video!

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