Ice Age 4 – Voll verschoben

Mit „Ice Age Teil 4 – voll verschoben“ von Steve Martino und Mike Thurmeier geht das bunte Spektakel am Rande des Weltuntergangs weiter. Als 2002 der erste Teil der animierten Familienfilm-Reihe in die Kinos kam, etablierte sich „Ice Age“ schnell als Marke, etwa wie berühmte Fastfood-Ketten. Ähnlich dankbar wie der tüchtige Esser über die Neukreation eines Burgers, einer Pizza oder eines Sandwichs ist, begrüßt auch der Ice-Age-Fan an sich jede Fortsetzung. Bei Fastfood wie bei dieser Art von Animationsfilmen gibt es eine nicht unbedeutende Parallele: Die Fastfood-Ketten wie die Animationsfilmindustrie preist ihre Produkte als neu, nie dagewesen und aufregend. Doch der neue Burger schmeckt natürlich wie ein Burger eben so schmeckt und „Ice Age 4“ ist halt so wie „Ice Age“ 1, 2 und 3. Gleichförmig wie Fastfood ist Ice Age auch in seiner Ästhetik und in seiner immer neuen Beschwörung der alten Werte. Die Botschaft von Familie, Freundschaft und Liebe wird Szene für Szene mit maßloser Eindringlichkeit serviert. All you can eat! Doch sollten wir uns von diesen allzu menschlichen Regungen nicht täuschen lassen. Daß Gefühle wunderbar zu kapitalisieren sind, davon erzählt seit langem schon das Theater von Rene Pollesch. Der Titel eines Stücks ist eine Fassbinder-Paraphrase und lautet „Liebe ist kälter als das Kapital.“

 

Was hier angedeutet wird, schreibt schon die Soziologin Arlie Russell Hochschild in ihrer Studie „Das gekaufte Herz“ aus. „Gefühlsmanagement“ heißt das Zauberwort, mit dem maximale Gewinne eingefahren werden könne. Und trainieren uns diese animierten lustigen Figürchen aus „Ice Age“ nicht schon längst schablonenhafte Gefühle an? Wird nicht den Kinder mit den immer gleichen Gesten und Posen ein Emotionenreportoire eingeübt, das den berechenbaren Algorithmen eines Computers gleich? Wie lange haben wir Zuschauer noch ein unangetastet Selbst, wenn unsere Innerlichkeit in animierten Kinofilmen hergestellt wird? Mehr dazu im Video!

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