Cosmopolis

Was für ein Film! Der Regisseur David Cronenberg läßt in seinen Werken die Kamera in die Untiefen der menschlichen Seele fahren. Zuletzt legt er mit „Eine dunkle Begierde“ über Sigmund Freund und C. G. Jung sein Handwerkszeug offen. Jetzt in seinem neuen Werk „Cosmopolis“, ich kann gleich sagen: in seinem MEISTERwerk „Cosmopolis“ betrachtet er die Oberfläche. Doch es geht ihm nicht um den Blick hinter die Fassade. Er befragt die Oberfläche, die selbst eine ungeheure Tiefe hat, dadurch daß nichts hinter ihr zum Vorschein kommt. „Cosmopolis“ ist ein Film über die Leere. Wenn Eric Packer in seiner Stretchlimousine sitzt, rasen auf vielen Bildschirmen Informationen und Zahlen an seinen Augen vorbei. Auch die Fensterscheiben seines Autos sind nichts anderes als Bildschirme, die ihm ermöglichen nicht mehr mit der realen Welt in Kontakt treten zu müssen. Bei aller Geschwindigkeit kommt er durch die vollgestopften Straßen in New York nur schrittweise weiter. Geschwindigkeit und Stillstand sind eins geworden.

Der Kinosaal wird zu einem Vakuum. Nicht nur hinter der Oberfläche ist es finster, die Oberfläche selbst ist es. Cronenbergs Einfall, die Dialoge des gleichnamigen Romans von Don DeLillo nahezu eins zu eins zu übernehmen, ist genial. Daß er einige Begegnung Eric Packers mit seinem Personal auch vom Außen ins Innere der Limousine verlegt hat, macht den Film nur konzentriert – allerdings auch anstrengender. Eine Anstrengung, die sich lohnt. Es ist eine cineastische Reflexion über die Leere, die Abstraktion des Kapitalismus und der Kunst. Doch warum entschied sich Cronenberg ausgerechnet, den nicht gerade begnadeten Twilight-Star Robert Pattinson für die Hauptrolle zu besetzen? Sollte so einfach ein eher cronenbergfernes Publikum ins Kino gelockt werden? Doch was, wenn gerade die scheinbare Fehlbesetzung Methode hat? Mehr dazu im Video!

 

Leave A Comment