Das Ende der Ironie im Kino? 4 aktuelle Beispiele

How to live your life without irony?, fragte vor einigen Wochen Christy Wampole in der New York Times. Nähert sich das ironische Zeitalter nun dem Ende? Sind die fröhlichen 90er Jahre endlich vorbei? Im Gegenwartskino verstärkt sich gerade der Eindruck. Typische Genre-Filme nehmen nicht mehr länger die Regeln des jeweiligen Genres auf die Schippe, sondern erzählen wieder ganz ernst. Ob „Jack Reacher“ mit Tom Cruise, der keine nostalgische Hommage an das 70er Vollstrecker-Kino sein will (das wäre zu ironisch), sondern nahtlos an diese Tradition anknüpft oder „End of Watch“, ein Polizeifilm mit Jake Gyllenhaal, der klar in Gut und Böse zu unterscheiden weiß – Ironie ist diesen Filmen fremd. Und auch der Horrorstreifen „The House at the End of the Street“ mit Jennifer Lawrence verzichtet auf scherzhafte Genrespiele und nimmt die Gefahr mehr als ernst: Der eigenbrötlerische Nachbar wirkt verrückt, ergo er ist verrückt. Und das gleichnamige Remake „Red Dawn“ mit Chris Hemsworth in der Hauptrolle legt noch eins drauf: Gut, daß die Waffengesetze in den USA locker sind und daß ein Mann sich als Krieger beweisen muß. In einer beängstigenden Rede plädiert Hemsworth als Anführer der Guerillas für einen guten Terrorismus. Wenn die Ironie verschwindet, wird es nicht nur ernst, sondern auch schnell rechts-republikanisch. Doch haben „linke“ Filmemacher nicht einfach zu lange ihre Späße getrieben und sich hinter ihrem ironischen Schutzschild versteckt, um jeder ernsten Stellungnahme zu bedeutenden Problemen zu entkommen? Gehört deshalb diesen rechtsgerichteten Filmen das ernste Terrain? Und trifft das nicht auch auf uns zu? Haben wir uns nicht auch einen ironischen Panzer zugelegt, um vor Gefühlen (wie z.B. der Liebe) geschützt zu sein? Vielleicht ist das Ende der Ironie gekommen. Die Filme zeigen, daß dies eine Gefahr sein kann – doch möglicherweise ist es auch die Rettung. Mehr dazu im Video!

Comments
One Response to “Das Ende der Ironie im Kino? 4 aktuelle Beispiele”
  1. bernhard sagt:

    Große Produktionen strotzten dieses Jahr nur so vor Ironie: Avengers und Expandables II und Skyfall zum Bespiel.
    Außerdem:
    The Cabin in the Woods
    7 Psychopaths
    21 Jump Street
    (“Cronicle” ?)

    Nicht grade Ironisch dagegen sind die Actiondinger 97 Hours 2, Bourne 4 und Grey, aber das liegt doch eben am Genre, oder?

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