Tarantino – seine Filme, seine Kunst, sein Genie

Quentin Tarantino ist der wichtigste Regisseur unserer Zeit. Nun erscheint sein neuer Film „Django Unchained”, der bereits für den Oscar nominiert ist. Eine gute Gelegenheit also, den Blick auf das Gesamtwerk dieses originellen Filmemachers zu richten. Seit „Pulp Fiction” kommt man an ihm nicht mehr vorbei, wenn man sich mit dem Gegenwartskino beschäftigen will. Das hat gute Gründe. Nur manchmal muß man ihn vor seinen Fans und vor manchen akademischen Theoretikern beschützen. Die einen drücken seinem Werk den Kult-Stempel auf, was eine tiefere Beschäftigung unmöglich macht — ist eben cool! –, die anderen ergehen sich darin, intertextuelle Bezüge und gendertheoretische Ansätze nachzuweisen. Beides greift zu kurz. Ohne weiteres kann man Tarantinos Filme einfach konsumieren und die verrückten Einfälle genießen und ohne weiteres kann man mit den Büchern von Judith Butler und Julia Kristeva unterm Arm ins Kino rennen; aber wenn das alles wäre, würde mich dieses Werk nicht interessieren. In Wahrheit ist Tarantino ein großer Autorenfilmer, der die Grundfragen stellt, die nur die Kunst zu stellen vermag. Es geht um nichts Geringeres als um das Gute, Wahre und Schöne. Gerade jetzt in der Debatte um die Gewalt im Kino und um ihre Folgen in der Gesellschaft ist auch Tarantino ins Fadenkreuz der Kritik geraten. Verherrlicht er tatsächlich Gewalt? Oder kommt man hier mit gut gemeinter Pädagogik nicht weiter? Auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag, Tarantino führt gerade nicht die Gewaltpornographie des Genrekinos fort, nein, er reinigt das Kino — und unsere Phantasien. Der Regisseur bewegt sich in der Tradition einer idealistischen Kunstauffassung, die an die kathartische Wirkung der Kunst glaubt, genau deshalb gelingen ihm solch eindrucksvolle Meisterwerke. Ohne Unterlaß wird in seinen Filmen geredet, um nicht zu sagen: geschwätzt, doch dieses permanente Reden umkreist etwas Unausgesprochenes.

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