Django Unchained – Der neue Film von Tarantino

Mit „Django Unchained” hat Quentin Tarantino erneut ein Meisterwerk geschaffen. Das furiose Zusammenspiel von Christoph Waltz, Jamie Foxx, Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson und Franco Nero allein schon ist ein hinreißendes Kinoerlebnis. Die sinnfälligen Kameraeinstellungen und die ungewöhnliche Musikauswahl — von Beethoven über Morricone bis hin zum Hip Hop — eröffnen neue Seh- und Denkräume. Jedes Detail stimmt, jeder Name ist bedeutungsschwer: Djangos Frau zum Beispiel, die aus den Fängen des fiesen Calvin Candie gerettet werden soll, heißt Broomhilda von Shaft, eine Mischung aus Nibelungensage und Blacksploitation-Streifen. Gleichzeitig aber ist „Django Unchained” der wohl umstrittenste Film des Regisseurs. Schon vor Wochen äußerte sich die Regielegende Spike Lee verärgert darüber, daß hier die Geschichte der Sklaverei für einen Spaghetti-Western herhalten muß. Dies sei, so Lee, respektlos gegenüber den Opfern. Lee kritisierte bereits vor Jahren Tarantinos Aneignung der Blacksploitation-Tradition durch den Film „Jackie Brown”. Doch ist diese harsche Kritik wirklich gerechtfertigt? Denn wie kaum ein Film zuvor zeigt „Django Unchained” mit unerbittlicher Härte die Schrecken der Sklaverei. Tarantino rückt in den entscheidenden Momenten bewußt von der sonst in seinem Werk üblichen Ästhetisierung der Gewalt ab, er schaut sogar weg, weil es so unerträglich ist. Hier wird die Geschichte nicht für einen Italowestern mißbraucht, im Gegenteil: der Regisseur benutzt das Genre Italowestern, um den Weg einer radikalen Befreiung zu erzählen. Und kein Genre wäre besser dafür geeignet als der Italowestern. Geht es doch in diesen Filme aus den 60er und 70er Jahren immer um die Entrechteten und Gesetzlosen, um den Handel mit Menschen (tot oder lebendig) und um Rache. Wenn man eines Tarantino vorwerfen kann, dann ist es sein weißer Selbsthaß, denn sogar er selbst wird für eines der ersten Opfer der schwarzen Revolution sein.

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