Das Biopic “Hitchcock” – eine Schande!

Das Filmportrait über Alfred Hitchcock mit dem schlichten wie sinnfälligen Titel „Hitchcock” des Regiedebütanten Sasha Gervasi ist ein überaus ärgerliches Produkt, daß die Manufactumisierung des Kinos vorantreibt. In den einst für Qualität und Kunst stehenden Programmkinos spielt der Wohlfühlfaktor zunehmend die Hauptrolle. Dazu braucht man Filme, die in erster Linie schön nostalgisch ausgestattet sind, das heißt, die mit Vorliebe in den 50er Jahren spielen; weiter sollen sie Spuren von Bildung enthalten (Filme über große Männer und Frauen oder geschichtliche Ereignisse, da genügt auch ein dämliches Fußballspiel, daß die ungewollt Entnazifizierten wieder stolz machte) und diese dann mit einer „guten Portion Humor” vermitteln. Und dann braucht es natürlich noch ein paar berühmte, aber nicht übermäßig talentierte Schauspieler, die mit viel Maske und Kostüm den historischen Personen zum Verwechseln ähnlich sehen. So ein Film ist „Hitchcock”. Er richtet sich an ein Publikum, das große Filmkunst nicht erleben, sondern nur noch erinnernd nachempfinden möchte. Als Surplus für dieses bodenständige Handwerk fehlt dann nur noch die politisch korrekte Ausrichtung: Im Falle des Hitchcock-Portraits ist es selbstverständlich die vom Genie unterdrückte Ehefrau, der eine postmoderne Selbstverwirklichung versagt bleibt und des Meisters Vorliebe für attraktive Blondinen auf der Leinwand. Der Regisseur Gervasi steht natürlich auf der richtigen Seite und beweist mit seinem Film unfreiwillig, wie idiotisch diese Position bezogen auf die Kunst ist. Denn „Hitchcock” ist in etwa so langweilig, mutlos und politisch korrekt wie eine Fernsehdebatte zum Thema #Aufschrei. Man sollte sich auch nur mal einen Moment lang anstatt einer Tippi Hedren, Grace Kelly oder Kim Novak jemanden wie Anne Wizorek, Marina Weisband oder Laura Himmelreich in einem Hitchcock-Film vorstellen — adäquat dazu könnte Rainer Brüderle die Rolle von Sean Connery in „Marnie” übernehmen (unter der Regie von Doris Dörrie). Es spricht aber für Hitchcocks Genie, daß er die Kritik an diesem peinlichen Film schon vor Jahren vorweggenommen hat. Mehr dazu im Video!

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